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Operation: Höhlenobliteration (Auffüllen einer Höhle)
Die Obliteration einer Ohrradikalhöhle wird in ITN durchgeführt. Der
Hautschnitt erfolgt abhängig vom Höhlenbefund endaural oder retro.
Bei diesem Eingriff werden im Prinzip die gesamte Hautauskleidung
und evtl. entzündete Schleimhaut aus der Höhle ausgelöst, die knö-
chernen Wände geglättet und falls notwendig der Eingang des Gehör-
gangs erweitert.
Dabei können durchaus besondere Befunde den Operateur erwarten:
die Hirnhaut, der Gesichtsnerv oder der große Blutableiter können
frei liegen. Auch wenn dauerhafte Schädigungen der genannten Be-
reiche grundsätzlich möglich sind, so muss betont werden, dass bei
uns ein solcher Fall noch nicht vorgekommen ist.
Für die Obliteration (Auffüllen oder Veröden der Höhle) bzw. für die
Rekonstruktion einer neuen Gehörgangswand wird Knorpel aus der
Mulde der Ohrmuschel oder auch vor dem Gehörgang zum Kieferge-
lenk hin entnommen. Die Entnahmestellen sind später in den meisten
Fällen als nur wenig sichtbare Narben zu erkennen.
Der Knorpel wird mit einer speziellen Pinzette (siehe Abb. Knorpel-
pinzette Seite 47) dünn geschnitten und in passende Stücke geteilt.
Dadurch kann eine genügende Menge an Knorpelstreifen unterschied-
licher Größe hergestellt werden, die dann als Gehörgangswand und/
oder als Füllmaterial in die Höhle eingepasst werden (Obliteration).
Zusätzlich kann Bindegewebe als gestielter Lappen oder als freies
Transplantat eingelegt werden.
Seit 2012 wird von uns zusätzlich regelmäßig ein bioaktives Glasgra-
nulat (BonAlive®) (siehe dazu auch www.bonalive.com und www.
bess.de) verwendet. Dieses Material hat antibakterielle Eigenschaf-
ten, was gerade bei entzündeten Höhlen von großem Vorteil für die
Heilung ist. Darüber hinaus stimuliert es die knöcherne Höhlenwand
körpereigenen Knochen zu bilden. Nach mehreren Jahren ist dann
eine Höhle komplett mit neu gewachsenem Knochen verschlossen
und ein weitgehend normaler Gehörgang vorhanden. Alle oben ge-
nannten Einschränkungen der Lebensqualität sind dann beseitigt.
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