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Vom Gehörgang aus besteht dabei ein offener Zugang zum Mastoid
(Hinterohrraum/Warzenfortsatz) (siehe Seite 20 „Nach der Entlas-
sung“).
Meist versuchen wir, annähernd normale Gehörgangsverhältnisse
durch Wiederaufbau (Rekonstruktion) der Gehörgangswand wieder-
herzustellen. Das Material hierfür (körpereigener Knochen oder Knor-
pel) wird aus der Umgebung des Operationsgebietes entnommen.
Seit 2012 steht uns auch ein bioaktives Glasgranulat (BonAlive®)
zum Auffüllen der entstandenen Höhle zur Verfügung (siehe Seite 59
„Obliteration Mastoidhöhle“), Wir konnten nach mehr als 130 Fällen
(Stand Anfang 2015) nachweisen, dass diese Technik das Risiko eines
erneuten Cholesteatoms im Mastoid deutlich verringert.
Allgemein gilt besonders für diese Operation der Grundsatz: ein tro-
ckenes, abgeschlossenes und vor allem gefahrloses Ohr ist das Haupt-
ziel. Auch wenn wir uns normalerweise bemühen, gleich im ersten
Eingriff eine Hörverbesserung zu erreichen (z. B. durch Einsatz einer
Titanprothese, siehe Seite 46 „Tympanoplastik“), so steht dieses Ziel
nicht im Vordergrund.
Wenn in einigen Fällen eine Radikalhöhle not-
wendigerweise gebildet werden muss, sollte
sie zukünftig regelmäßig gepegt werden, auch
wenn sie trocken ist. Dazu wird monatlich 1 bis
2 Mal die Höhle mit körperwarmen(!) Ohren-
tropfen, die von uns rezeptiert werden, gefüllt
(„Ohrbad“). Tritt dabei Schwindel auf, sind die
Ohrentropfen zu kalt! Lassen Sie die Tropfen
etwa 10 15 Minuten einwirken und dann auf
einen Wattebausch, Papiertaschentuch oder
ähnliches herauslaufen. Es ist wichtig, dass bei
Wasserkontakt, z. B. beim Schwimmen, eine
fetthaltige Watte in den Gehörgangs-Eingang
gelegt wird.
HINWEIS
  Eine Ohr-Radikalhöhle
bedarf regelmäßiger Pege.
  Das „Ohrbad“ ist eine nütz-
liche Hilfe zur Hautpege.
  HNO-ärztliche Kontrollen
sind in mindestens 6- bis
12-monatigen Abständen
notwendig.
  Eindringen von Wasser muss
vermieden werden.
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