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MITTELOHR
(vor dem 2. Weltkrieg) dazu geführt, dass eine solche Erkrankung da-
mals die häugste Todesursache war. Wegen der schleichenden Aus-
dehnung (häug über Jahrzehnte) bemerkt der Patient diese bedroh-
liche Entwicklung nicht, zumal wenige Warnsignale vorhanden sind:
es treten nur selten Schmerzen oder eitrige Absonderungen auf. Oft
ist nicht einmal Schwerhörigkeit vorhanden, und nur manchmal ist
das Trommelfell sichtbar perforiert. Röntgenaufnahmen, CT und MRT
können keine ausreichende Sicherheit für die genaue Ausdehnung des
Cholesteatoms geben. Sie können lediglich eine zusätzliche Hilfe für
die Operationsentscheidung und das Vorgehen bei der Operation sein.
Die Operationsdauer kann nicht vorhergesagt werden, da die Ausdeh-
nung der Entzündung erst bei der Operation endgültig festgestellt
wird.
Operation: Tympanoplastik mit Cholesteatomentfernung
Prinzipiell wird dasselbe Vorgehen wie bei der Tympanoplastik ge-
wählt. Die Entfernung der Cholesteatomhaut und der Hautschuppen
steht im Vordergrund. Es kann dabei je nach Ausdehnung vorkom-
men, dass die intakte Gehörknöchelchenkette auseinandergenom-
men werden muss.
Ist der Gesichtsnerv vom Cholesteatom betroffen und wurde er frei-
gelegt, was sich meist erst während der Operation herausstellt, kann
es trotz aller Erfahrung und Sorgfalt zur vorübergehenden (aber nur
sehr selten dauerhaften) Lähmung kommen.
Dasselbe gilt auch für das Gleichgewichtsorgan, welches normaler-
weise durch Knochen (Felsenbein) geschützt ist. Hat das Cholestea-
tom den Knochen zerstört, kann für einige Zeit nach der Operation
ein vorübergehender, mitunter erheblicher Drehschwindel, selten ein
Dauerschwindel auftreten.
Bei uns wird die hintere Gehörgangswand häug erhalten, sodass
nach der Operation ein normaler Gehörgang bestehen bleibt. Wenn
jedoch der Entzündungsprozess sehr weit ausgedehnt ist, ist die teil-
weise oder vollständige Wegnahme der hinteren Gehörgangswand
nicht zu vermeiden: es entsteht eine so genannte „Radikalhöhle“.
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