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Nach der Operation des ersten Ohres wird jeder kleine Schritt der
Heilung vom Patienten deutlich als Wieder-Hören-Können empfun-
den. Nach der Operation des zweiten Ohres hingegen hat der Patient
anfangs das Gefühl, dass sich das Gehör nicht so gut entwickelt. Das
liegt daran, dass bei der Operation des zweiten Ohres bereits das
erste die bessere Hörkraft hat. Dies überlagert die langsame Hör-
verbesserung des zweiten Ohres. Erst nach endgültiger Heilung hat
der Patient das Erlebnis des plastischen, richtungsbezogenen Hörens.
Erkrankungen mit Entzündung und ihre operative
Behandlung
Diese Erkrankungen kommen bei den Mittelohroperationen am häu-
gsten vor, vor allem die chronische Entzündung. Daher wird dieser
Teil besonders ausführlich dargestellt.
Es handelt sich um Veränderungen, die das Trommelfell (z. B. Loch im
Trommelfell), aber auch die einzelnen Mittelohranteile oder den an-
grenzenden Knochen (z. B. Mastoid) betreffen können. Sie sind häug
bereits im Kindesalter entstanden. Auch akute Verletzungen können
zu Entzündungen führen.
Eine chronische Mittelohrentzündung läuft oft nach folgendem Sche-
ma ab: nach Eiterungen in der Kindheit und Jugend tritt über viele
Jahre ein trockenes, beschwerdefreies Intervall ein. Es kann dann
ausschließlich eine Schwerhörigkeit bestehen, an die sich der Patient
gewöhnt. Mancher empndet dies sogar als Vorteil, weil man sich bei
einseitiger Schwerhörigkeit auf das gut hörende Ohr legen kann und
dann auch bei Umgebungslärm gut schläft.
Mit zunehmendem Alter oder bei Kontakt mit Wasser erhöht sich das
Risiko, dass das oberfächlich trockene Ohr wieder anfängt Sekret ab-
zusondern, d. h. dass es sich akut entzündet.
Die Alternative, ein Hörgerät zum Ausgleich der Schwerhörigkeit und
zur Vermeidung einer Operation zu tragen, ist nicht zu empfehlen.
Wenn der Gehörgang mit dem Ohrpassstück des Hörgerätes verschlos-
sen ist, bildet sich im Gehörgang und Mittelohr ein für Bakterien-
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