Aufklärungsbroschüre
Chronische Mittelohrentzündung
Hierbei handelt es sich um Veränderungen, die sowohl das Trommelfell (z.B. Loch im Trommelfell) als auch die einzelnen Mittelohranteile oder den angrenzenden Knochen betreffen können. Die Ursache liegt in wiederholten Mittelohrentzündungen, die entweder seit der Kindheit bestehen oder im späteren Leben aufgetreten sind. Auch Verletzungen können zu diesem Befund führen.
Entsprechend der Dauer der Erkrankung und je nach Ausmaß der Entzündungserscheinungen können verschiedene Grade der Zerstörung vorliegen. Das Innenohr ist entweder intakt oder kann verschiedene Stadien der Schädigung aufweisen.
Der Patient klagt neben der Schwerhörigkeit häufig über eine wässrige oder eitrige, oft übelriechende Absonderung aus dem Ohr. Er fühlt sich aus hygienischen Gründen, wegen der Schwerhörigkeit, oder durch die ständigen Vorsorgemaßnahmen behindert. Die Lebensqualität ist eingeschränkt, wenn bei Kontakt mit Wasser(Duschen, Baden, Schwimmen usw.) Rücksicht auf das kranke Ohr genommen werden muss. Eine lebensbedrohliche Komplikationsgefahr ist zunächst meistens nicht vorhanden. Bei einem kleinen Loch im Trommelfell oder einem feuchten Ohr sollte – bevor eine Operation durchgeführt wird – zunächst versucht werden durch eine ambulante konservative Behandlung, d.h. eine Behandlung ohne Operation, eine Besserung herbeizuführen. Je nach Befund wird der Arzt zu einer Operation raten.
Häufig läuft die chronische Mittelohrentzündung nach folgendem Schema ab: Nach Eiterungen in der Kindheit und Jugend tritt über viele Jahre ein trockenes, d.h. beschwerdefreies Intervall ein. Es kann dann ausschließlich eine Schwerhörigkeit bestehen, an die sich der Patient gewöhnt. Mancher empfindet dies sogar als Vorteil, weil man sich bei einseitiger Schwerhörigkeit auf das gut hörende Ohr legen kann und dann auch bei Umgebungslärm gut schläft. Mit zunehmendem Alter erhöht sich das Risiko, dass das scheinbar trockene Ohr wieder anfängt Sekret abzusondern.
Bei chronischer Mittelohrentzündung und bestehender Schwerhörigkeit sollte auf diesem Ohr kein Hörgerät getragen werden, denn bei offenem Mittelohr (Loch im Trommelfell) entsteht durch den Verschluss des Gehörganges mit dem Ohrpassstück eine „feuchte Kammer“, die zur Verschlimmerung oder zu ständigem Aufflackern der Entzündung führt.
Ein weiterer Grund für eine Operation ist, dass das gut hörende, gesunde Ohr von einem Unfall, einer akuten Mittelohrentzündung, einem Hörsturz oder anderen plötzlichen Ereignissen betroffen sein kann. Dadurch kommt es schlagartig zu einer für den Patienten sehr belastenden Situation: er hört auf beiden Ohren schlecht.
Daher geben wir den Rat, eine chronische Mittelohrentzündung operieren zu lassen. Wenn das Ohr trocken ist und der Patient bis auf eine eventuelle Schwerhörigkeit keine Beschwerden hat, sind die Heilungschancen deutlich besser als bei einem eiternden Ohr. Besteht eine eitrige Absonderung jedoch über längere Zeit und lässt sich auch durch konservative Maßnahmen nicht mindern, ist dies nach unseren Erfahrungen kein Grund, die Operation auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
Oft führt eine bestimmte Art der Entzündung, das Cholesteatom (auch „Perlgeschwulst“ oder „Knocheneiterung“) und die Ausdehnung dieses Prozesses zu lebensbedrohlichen Zuständen oder Anzeichen von Komplikationen, so dass die Operation unbedingt notwendig ist. Bei dieser Entzündung ist Haut von der Oberfläche des Trommelfells in das Mittelohr eingewachsen. Unbehandelt kann dieser Prozess vom Mittelohr ausgehend die Hirnhaut, den Gesichtsnerv, die großen Blutgefäße des Gehirns oder das Innenohr erreichen. Nur eine Operation kann dies verhindern. Es handelt sich hierbei nicht um eine bösartige Geschwulst; vielmehr kommt es durch die langsame, aber stetige Vergrößerung der Hautschuppenansammlung in der Umgebung zur entzündlichen und gefährlichen Knochenzerstörung(umgangssprachlich: „Knochenfraß“). Häufig wird dieser Prozess vom Patienten nicht bemerkt, da er über lange Zeit keine Schmerzen verursacht und eine Schwerhörigkeit nicht vorhanden sein muss.