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Dienstag, 30. Juli 2002 (Ruhrnachrichten)

LÜNEN • Was passiert eigentlich bei einer Operation oder einer aufwändigen ärztlichen Untersuchung? Wie fühlen sich die Patienten? Diesen Fragen geht unsere Serie „Medizin transparent" nach.

Darin stellen die Ruhr-Nachrichten gängige oder neue ärztliche Möglichkeiten an beiden Kliniken der Stadt vor. In diesem Teil geht es um die Tympanoplastik im Krankenhaus Brambauer.
Nach dem Badeurlaub kamen die Beschwerden. Häufige Mittelohrentzündungen und dann die Diagnose: Ein Loch im Trommelfell. Für die elfjährige Semrin bedeutete dies nicht nur Schwimmverbot und Probleme beim Duschen sondern auch die Gefahr weiterer Vereiterungen und eine Beeinträchtigung der Trommelfell-Schwingung von 20 bis 30 Prozent.

Belegbetten

Ihre Chance liegt in der Tympanoplastik, der mikrochirurgischen Wiederherstellung des Mittelohres. Auf diesem Gebiet ist Dr. Goesta Schimanski Spezialist. Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren mit 13 Belegbetten im Krankenhaus Brambauer operiert dort seit 1983 etwa 500 Patienten pro Jahr. Sie werden meist von anderen HNO-Ärzten überwiesen und kommen aus der ganzen Bundesrepublik.

Semrin reist mit ihren Eltern aus Kamen an. Sie ist eine von sechs Patienten an diesem Tag, die Dr. Schimanski mit dem Anästhesie- und OP-Team der Klinik unters Messer nimmt. „Alles linke Ohren", wie er sagt, aus organisatorischen Gründen streng sortiert. Der Eingriff ist für den Operateur eine Sache von 30 bis 40 Minuten. Meist werden die Patienten lokal betäubt und bekommen ein Schlafmittel, Kinder hingegen erhalten eine Vollnarkose.

Die elfjährige Semrin hat Dr. Holger Sauer, Chefarzt der Anästhesie, längst in einen sanften Schlummer versetzt. Dr. Schimanski ergreift das Skalpell für den Schnitt hinter der Ohrmuschel. Aus diesem Bereich entnimmt er ein Stückchen Muskelhaut, um es später dem ein Zentimeter kleinen Trommelfell wie einen Flicken zu implantieren.
Damit beginnt der mikroskopische Teil, bei dem jeder Handgriff auf einem Monitor zu sehen ist und per Video aufgezeichnet wird. Das bedeutet filigrane Feinstarbeit im Mittelohr und ist in diesem Fall etwas kompliziert, weil das Loch weit vorn versteckt liegt. 15-fach vergrößert sieht Dr. Schimanski sein Operationsfeld durch den Gehörgang, der zwischen 8 und 15 Millimeter Durchmesser misst.

Das Eigenhaut-Implantat wird weder genäht noch geklammert, es verklebt mit der dortigen Schleimhaut, bis normale Haut darüber wächst. Dazu löst Dr. Schimanski Gewebe aus dem Gehörgang, um das Trommelfell zu unterfüttern - ein bisschen so wie beim Stopfen. Eine feine Häkelnadel kommt zum Einsatz, mit der die Muskelhaut hinter dem Trommelfell nach vorn geholt wird. Die Operation bedeutet Konzentration, auch für OP-Schwester Nicole Kusche und ihren Kollegen Jack Schade. Dr. Sauer und Anästhesie-Schwester Inge Weßel überwachen die Narkose.

Am Ende legt Dr. Schimanski eine Silikonfolie ein und „verbindet" die Wunde mit Schaumgelatine in antibiotischer Lösung, die nach drei Wochen in der Praxis entfernt wird.

Kleine Narbe

Jetzt geht's ohne Operationsmikroskop weiter: Ein paar Fäden, und der Schnitt hinter der Ohrmuschel ist genäht. Was bleibt ist eine kleine Narbe und möglicherweise noch zwei bis drei Wochen Schmerzen beim Kauen.

Die Patienten bleiben zwischen drei bis sieben Tagen stationär in Brambauer, am 5. Tag werden die Fäden gezogen. Komplikationen können Wundheilungsstörungen oder Nachblutungen sein, sie liegen „unter einem halben Prozent", erklärt Dr. Schimanski. Problematisch seien akute Erkältungen in den ersten drei Wochen nach einer Tympanoplastik, weil sie die Heilung verzögern.

Semrin jedenfalls hat einen dicken Verband am Ohr und genug damit zu tun wach zu werden. Alles überstanden, die Eltern sind erleichtert.