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Samstag, 17. Januar 1998

Übersetzung aus dem Russischen:

Das Rauschen fallender Blätter


Die berufliche Integration im Einzelfall hängt davon ab, mit wem einen das Schicksal zusammenführt. Heinrich Dick, der Chirurg aus dem Orenburger Gebiet, meint, dass er großes Glück gehabt hat. Sein Chef Dr. Schimanski, dessen Praxis in Lünen in der Nähe von Dortmund liegt, hat ihm sehr große und interessante Möglichkeiten der Mikrochirurgie des Ohres offenbart. Zu zweit führen sie in dem Krankenhaus in Lünen ungefähr 700 Ohroperationen pro Jahr durch. Die Patienten werden von chronischen Mittelohrentzündungen geheilt, vielen von ihnen wird auch wieder das Hörvermögen hergestellt. Dr. Schimanski hat sich schon seit längerem der Mikrochirurgie des Ohres gewidmet. Er hat seine eigenen operativen Methoden erarbeitet und weiterentwickelt. Die vielen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und die aktive Teilnahme an verschiedenen Fortbildungsveranstaltungen, wo seine reichlichen Erfahrungen den Kollegen mitgeteilt werden, gehören auch zu seiner alltäglichen Arbeit. In Kürze nimmt Dr. Schimanski teil an einem internationalen Symposium in Bremen, wo er auch praktisch seine Kunst der Mikrochirurgie den anderen Kollegen vorführen wird. Während des Symposiums wird Dr. Schimanski seine operative Tätigkeit in englischer Sprache kommentieren und erklären.

Wozu braucht der Chirurg die russische Sprache?

In alltäglichen Situationen, die in der vielseitigen Arbeit der Praxis vorkommen, ist es sehr hilfreich, dass Heinrich Dick der russischen Sprache mächtig ist. Mit seinen Landsleuten aus Russland kann er sich problemlos in beiden Sprachen gut verständigen. Es sind auch Patienten aus Russland und Weißrussland erfolgreich operativ behandelt worden in der Praxis von Dr. Schimanski. Die Praxis von Dr. Schimanski ist sowohl im Inland als auch im Ausland weit und breit bekannt. Die Kollegen kennen und schätzen das Wissen und Können von Dr. Schimanski und überweisen oft Patienten, die einen langen Leidensweg hinter sich haben, zur operativen Behandlung an Dr. Schimanski.

Auf dem Op.-Tisch die 14-jährige Anja S. aus Münster. Diagnose: chronische Mittelohrentzündung seit Kindheit, Schallleitungsschwerhörigkeit. Die Patientin wird in Vollnarkose operiert. Dr. Schimanski beginnt mit dem operativen Eingriff. Es wird ein Schnitt hinter der Ohrmuschel gemacht, mit kleinen, feinsten Instrumenten wird die chronische Entzündung aus dem Mittelohrbereich ausgeräumt. Vor einer halben Stunde hat der Chirurg der Mutter von dem Mädchen mit einfachen und klaren Worten das Ohrenproblem ihrer Tochter erklärt. Solche Erklärungen sind auch ein Grundsatz der Arbeit von Dr. Schimanski. Durch Aufklärung der Patienten wird die Angst vor Operationen beseitigt und die Hoffnung auf eine endgültige Genesung gestärkt. Die Operation wird fortgesetzt. Dr. Schimanski kommentiert seine Arbeit den beiden Zuschauern - einem Medizinstudenten und dem Gastjournalisten. Der Chirurg macht aus seiner operativen Kunst kein Geheimnis.

„Ich möchte gerne, dass möglichst viele Ärzte erfolgreicher solche Patienten behandeln und stehe den Kollegen mit meinen Erfahrungen gerne zur Verfügung." Man kann die Operation auf dem Monitor verfolgen, es sind nur die Bewegungen von Instrumenten und lebendiges Gewebe - alles vielfach vergrößert - zu sehen. Ein Laie, auch wenn er eine gute Vorstellung von der Anatomie des Ohres hat, kann sich den operativen Vorgang sehr schwer vorstellen.

"Während der Operation werden zwei Ziele verfolgt" teilt Dr. Schimanski mit, „das Hauptziel (primäres Ziel): Beseitigung des zerstörerischen, entzündlichen Prozesses im Mittelohr; das nächste Ziel (sekundäres Ziel): nach Möglichkeit, das Hörvermögen am betroffenen Ohr wieder herzustellen." Es wird solange am Mittelohr mit verschiedenen Instrumenten gearbeitet, unter ihnen auch ein Bohrer mit verschiedenen Fräsen, bis die Entzündung endgültig ausgeräumt ist. Die Krankheit hat bereits einen Teil vom Schädelknochen angegriffen, und der Chirurg entfernt dieses entzündliche Gewebe (Cholesteatom genannt) bis auf den gesunden Knochen.

„Im Prinzip mache ich das gleiche, was auch der Zahnarzt mit den kariösen Zähnen macht. Der Zahnarzt entfernt ja auch die kariös veränderten Anteile des Zahnes bis an das gesunde Gewebe. Mein Ziel ist das gleiche. Wenn die „Ohrenkaries“ (Cholesteatom) weiter fortschreiten würde, dann würde diese Entzündung durch Zerstörung des Knochens irgendwann auch die Hirnhaut mit dem Hirn und andere Bereiche des Schädelinneren erreichen, und das wäre dann lebensgefährlich " sagte Dr. Schimanski.

Kleine Reparatur des Mittelohrs unter dem Mikroskop

Der Amboss ist entfernt. Auf dem Monitor sah er groß aus; auf dem chirurgischen Tisch ist er ein ganz kleines weißes Knöchelchen. Der Chirurg verkleinert jetzt die entstandene Höhle hinter dem Mittelohr. Er benutzt dafür die eigenen Knorpelstückchen und Bindegewebe. Jetzt kommt der wichtigste Moment: die Auswahl der passenden Prothese für das Mittelohr. Diese Prothese wird die kranken Gehörknöchelchen, die entfernt werden mussten, ersetzen.

Prothese statt Hörgerät

Die Prothesen sind aus Titan angefertigt. Sie sind ganz klein und teuer. Um die richtige Prothese zu finden, sind auch spezielle Messprothesen verfügbar. Mit der Messprothese kann man ganz schnell die tatsächlich benötigte Länge der Titanprothese im Mittelohr feststellen. Jetzt ist die Titanprothese, die den Hammer und Amboss ersetzt hat, implantiert. Darüber wird eine dünne Knorpelscheibe gelegt und das Trommelfell zurückgeklappt. Die filigrane, mit hoher Präzision durchgeführte Ohroperation ist abgeschlossen. Vielleicht wird dieses Mädchen ein paar Wochen später das Rauschen von fallenden Blättern mit dem jetzt wieder gesunden Ohr hören können und sich zusammen mit seiner Mutter darüber freuen können, dass sie endgültig wieder gesund ist.

Die nächste Patientin kommt aus einer südlichen Region des Landes. Der behandelnde Hals-, Nasen-, Ohrenarzt hat sie zielgenau an Dr. Schimanski überwiesen: wahrscheinlich hatte er dafür seine Gründe.

Hörprüfung während der Operation

Die erwachsenen Patienten werden in der Regel in örtlicher Betäubung operiert. Das ist ein sehr wichtiger Moment, weil es die Möglichkeit bietet, die Funktionstüchtigkeit der eingesetzten Titanprothese sofort zu überprüfen. Dr. Schimanski hatte gerade die Titanprothese eingesetzt, klappt vorläufig das Trommelfell wieder zurück, bittet eine Schwester, das gesunde Ohr zuzuhalten und führt der Patientin aus immer weiterer Entfernung verschiedenen Zahlen vor, die die Patientin fehlerfrei nachspricht. Die Patientin kann wieder hören! Die Operation kann abgeschlossen werden.

Und noch eine Patientin wird zur Operation vorbereitet. Das ist eine 19-jährige Studentin. Zweimal ist sie schon in einer anderen Klinik voroperiert worden. Die Krankheit konnte nicht besiegt werden. Am Mikroskop und Op.-Tisch sitzt jetzt Heinrich Dick. Die Patientin ist sichtlich aufgeregt. In den Augen sieht man Tränen, wahrscheinlich ist es die Angst, dass vielleicht auch dieser Eingriff keine endgültige Genesung bringen wird. Wir werden auf diese Fragen keine Antwort erhalten, weil die Patienten in der Regel nach der Operation wegen der gegebenen Medikamente kein Erinnerungsvermögen zeigen über die Vorgänge vor und während der Operation. Heinrich Dick operiert ruhig und konzentriert. Ab und zu wird auch Dr. Goesta Schimanski zum Mikroskop gebeten. Es sind kurze und aus fachspezifischen Begriffen bestehende Sätze zu hören und die Operation wird fortgesetzt. Der ausgedehnte Entzündungsprozess in den Mittelohrräumen ist beseitigt worden; der Chirurg klappt wieder das Trommelfell zurück und legt die Naht. Die Operation ist abgeschlossen. Hier ist nur das primäre Ziel zu erreichen gewesen, nämlich den Entzündungsprozess im Mittelohr endgültig zu beheben. Später, wenn sich zeigen sollte, dass sich das Hörvermögen nicht im ausreichenden Maße verbessert hat, kann man immer noch eine wenig belastende Operation zur Hörverbesserung durchführen.

Die beiden Chirurgen ziehen sich um und gehen in die Mittagspause. Von außen kann man ihnen keine Müdigkeit ansehen. Über die innere Anspannung kann man nur spekulieren. Um solche operativen Eingriffe erfolgreich durchführen zu können, muss man auch in einer guten körperlichen Verfassung sein. Deshalb joggt Heinrich Dick auch regelmäßig zwei- bis dreimal wöchentlich, teilt Dr. Schimanski lächelnd mit. Selbst Dr. Schimanski spielt viel Badminton und geht auch gerne schwimmen. Über seinen Kollegen, der aus Russland stammt, spricht er mit Respekt: „Heinrich Dick, der auch in Russland viel operiert hat, hat hier in Deutschland nach seinem 40. Geburtstag die für ihn neue Mikrochirurgie des Ohres erlernt, und das ist eine gute Leistung".

Die Zusammenarbeit der beiden Mikrochirurgen bereitet ihnen eine sichtliche professionelle Freude.